Können Autofahrer selbst Dellen entfernen? Immerhin ist die Reparatur in der Werkstatt relativ teuer. Wir meinen: Ja, es geht! Wenn Sie am Wagen Dellen erkennen, können Sie sich als Beulendoktor versuchen!

Dellen entfernen: Kosten in der Werkstatt

Es gibt leider keine pauschalen Angaben dazu, wie hoch die Kosten für einzelne Modelle ausfallen, wenn Sie in der Werkstatt Dellen entfernen lassen. Bei kleineren Dellen im Lack können Sie unter Umständen mit Kosten unter 100 Euro davon kommen. Sollte die Werkstatt aber keinen Weg sehen, die Dellen zu entfernen – etwa an der Tür –, dann kostet bei einem Klein- bis Mittelklassewagen der Austausch der Tür mindestens 800 Euro, bei hochwertigen Autos auch schnell 2.000 bis 3.000 Euro. Doch es gibt Methoden der Smart Repair, mit denen sich Dellen entfernen lassen und die Sie auch selbst einsetzen können. Werkstätten wenden sie auch an und verlangen dann für kleinere Dellen in Münzgröße um 60 bis 80 Euro. Größere Beulen können 400 bis 500 Euro kosten.

Bei welchen Dellen können Sie selbst etwas unternehmen?

Wenn Sie einen Unfallschaden erlitten haben oder gar der Rahmen verzogen ist, werden Sie als Laie kaum selbst die Dellen entfernen können. Doch es gilt grundsätzlich: Bei runden und weichen Außenrändern haben Sie eine Chance, selbst die Dellen zu entfernen. Wenn Sie solche Dellen erkennen, können Sie Ihr Glück versuchen. Bei scharfkantigen, geknickten Außenrändern raten wir hingegen ab.

Dellen im Plastik

Möchten Sie aus einem Plastikteil Dellen entfernen, können Sie es mit heißem Wasser versuchen. Bauen Sie das Plastikteil ab, gießen Sie dann langsam das heiße Wasser über die Delle und beulen Sie diese von der anderen Seite aus. Das kann gelingen.

Dellen im Metall

Bei Metallteilen am Auto haben Sie zwar durch die entstandene Beule auch Dellen im Lack, doch nicht zwingend einen Lackschaden. Moderne Fahrzeuglacke sind dehnbar. Das bedeutet: Sie können die Dellen im Lack mit Glück und Geschick ausbessern, ohne nachlackieren zu müssen. Dafür benötigen Sie unbedingt Wärme. Dellen im Lack dürfen Sie niemals kalt behandeln, denn bei niedrigen Temperaturen wird der Lack spröde und bricht. Wenn Sie an einem Metallteil Dellen entfernen, können Sie diese grundsätzlich herausziehen oder herausdrücken. Das Drücken führt zu besseren Ergebnissen, erfordert aber fast immer den Abbau des entsprechenden Teils. Hierüber müssen Sie sich zunächst Klarheit verschaffen, wenn Sie Dellen erkennen und die Eigenreparatur planen. Beim Herausziehen benötigen Sie ausreichend Kraft, wobei Sie nicht den Lack beschädigen dürfen. Hierbei kommt fast immer Vakuum zum Einsatz. Kleber können sich ebenfalls eignen, doch ihre Rückstände müssen sehr umsichtig entfernt werden.

Heißes Wasser

Wie beim Plastikteil können Sie auch bei einem Metallteil manchmal mit heißem Wasser die Dellen entfernen. Spülen Sie kochendes Wasser flächig darüber. Wenn Sie sehr viel Glück haben, entspannt sich allein durch die Hitze das Blech so gut, dass es wieder die ursprüngliche Form annimmt. Wenn das nicht funktioniert, haben Sie dennoch mit der Hitze eine gute Voraussetzung geschaffen, um die Dellen zu entfernen. Dem Lack schadet das heiße Wasser nicht.

Pümpel oder Saugnapf

Sie können eine große Beule mit einem Pümpel zurücksetzen. Er muss neu sein, um keine Spuren auf dem Lack zu hinterlassen, außerdem funktioniert die Technik nur bei größeren Beulen. Nach der Behandlung mit heißem Wasser setzen Sie den Pümpel auf und ziehen kräftig. Eine große, flache Delle können Sie auf diese Weise ausbessern. Auch einer sehr kleinen Beule kommen Sie mit der Saugtechnik bei, doch in diesem Fall nehmen Sie einen Saugnapf (zum Beispiel von der Handyhalterung). Hochwertige Halter sind mit wirklich kräftigen, aber kleinen Saugnäpfen ausgestattet – auch das kann funktionieren. Im Handel gibt es zudem für kleines Geld „Schwerlastsaugnäpfe“, die sich für diesen Zweck sehr gut eignen.

Dellen von der Rückseite herausdrücken

Lieber verkaufen?

Erhalten Sie noch heute ein Angebot für Ihr beschädigtes Auto!Angebot erhalten Wenn das Saugen nicht funktioniert, bauen Sie das Teil ab und versuchen das Herausdrücken von der Rückseite. Es gibt noch die Alternative des Einsatzes von Kleber, doch hiermit drohen Lackschäden! Sie können dennoch Kleber verwenden und anschließend den Lack mit einem Politurset behandeln, doch lassen Sie uns nun die Variante des Herausdrückens anschauen. Sie benötigen hierfür Werkzeug:
  • Demontagewerkzeug für Innenverkleidungen
  • Heißluftfön
  • Rundholz (5 cm Durchmesser) oder Kunststoffstab mit abgerundeter Spitze
  • Gummihammer
Entfernen Sie die Innenverkleidung mit dem professionellen Demontagewerkzeug, das Sie kostengünstig im Fachhandel erhalten. Sollten Sie eine Delle in der Tür entfernen, müssen Sie bei der Remontage die Kunststofffolie (befindet sich hinter der Türpappe) wieder vollständig schließen. Sie sorgt für Dichtigkeit. Nachdem Sie das betreffende Teil abgebaut haben, wärmen Sie wiederum die Stelle flächig mit dem Heißluftfön auf. Das heiße Blech schlagen Sie nun behutsam mit dem Gummihammer nach außen. Sie arbeiten von außen nach innen und verwenden für einen schlecht zugänglichen Rand den Rundstab. Beachten Sie Folgendes:
  • Sie arbeiten immer kreisförmig.
  • Die Beule springt nach einer gewissen Zeit in die ursprüngliche Form zurück.
  • Das alleinige Zurückspringen führt natürlich nicht zu einem perfekten Ergebnis: Sie müssen kleine Stellen sehr behutsam nachbessern.
  • Weniger ist mehr! Schlagen Sie nur sehr vorsichtig. Sie benötigen Ausdauer.
  • Oft können Sie auf diese Weise noch nicht komplett die Dellen entfernen. Doch Sie können im nächsten Schritt mit Spachtel und Lack nachbessern.

Spachteln und Lackieren

Zunächst einmal haben Sie mit dem Ausbeulen schon viel erreicht, denn jeder zurückgesprungene Millimeter bedeutet weniger Spachtelmasse. Wenn Sie beim Spachteln nur eine dünne Ausgleichsschicht einsetzen, wird erstens die Reparatur einfacher, zweitens hält sich das Ergebnis dauerhafter. Dicke Spachtelschichten können immer abplatzen und saugen sich auch mit Wasser voll. Dadurch können erhebliche Rostschäden entstehen, die lange niemand bemerkt. Für das Auftragen der Spachtelmasse rauen Sie den Lack an oder schleifen ihn komplett ab. Dann tragen Sie mit einer Grundierung den Haftgrund auf. Nun gleichen Sie die Delle mit der Spachtelmasse aus und tragen dann mit einer Sprühpistole den Lack in der exakten RAL-Farbe des Wagens auf. Sie sollten dabei Schutzkleidung tragen. Zuvor kleben Sie die Stelle gewissenhaft ab. Lackieren Sie von einer Kante zur nächsten. Auf einer Fläche ohne Grenze bekommen Sie keinen sauberen Übergang hin. Die RAL-Zahl ihrer Farbe finden Sie unter der Motor- oder Kofferraumhaube, manchmal auch der Innenseite der Fahrertür (jeweils kleine Schilder oder Aufkleber) und in der Bedienungsanleitung. Ein Autohaus sagt sie Ihnen auch anhand Ihrer Fahrzeugnummer und verkauft Ihnen gleich den passenden Lack.

Alternative zum Lackieren

Sie müssen nicht unbedingt die Stelle nach dem Ausgleich der Beule lackieren – Sie können auch die Stelle oder gleich mehrere Fahrzeugteile (auch das ganze Fahrzeug) folieren lassen. Das machen viele Fahrzeughalter einfach aus Gründen des Lackschutzes und wegen der interessanten Designs, die mit einer Folierung möglich sind. Die Folien lassen sich rückstandsfrei entfernen, sodass Sie auch ein Leasingfahrzeug folieren können (bei dem allerdings eine ausgebesserte Delle professionell lackiert werden sollte). Die Folierung hat mehrere Vorteile:
  • Sie ist deutlich günstiger als eine Lackierung – jedenfalls auf die Fläche gerechnet.
  • Sie schützt den Lack vor UV-Licht und kleineren Steinschlägen.
  • Sie ermöglicht ein neues Design. Sie können eine andere Farbe, aber auch sehr interessante Motive wählen. Informieren Sie sich einmal darüber – Sie werden begeistert sein!

Dellen entfernen: Wann lohnt sich die DIY-Variante, wann die Werkstatt?

Sehr geschickte Handwerker schaffen es, so gut wie eine Werkstatt die Dellen zu entfernen. Das betrifft natürlich nur kleinere, unkomplizierte Dellen und keine Unfallschäden (siehe oben). Doch ein Leasingfahrzeug und auch einen teuren Wagen, den Sie jetzt verkaufen möchten, sollten Sie vielleicht in die Werkstatt bringen. Vielleicht lassen Sie sich dort zu den Kosten beraten, wenn Sie Dellen erkennen. Anschließend überlegen Sie in Ruhe, ob Sie selbst die Dellen entfernen.

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