Ein Motor, der sein eigenes Abgas wieder einatmet, klingt nach einem Fehler. Genau das tun aber fast alle Dieselmotoren und viele Benziner seit Jahrzehnten, mit Absicht und unter Kontrolle des Steuergeräts. Abgasrückführung, kurz AGR, heißt das Verfahren. Ein Teil des Abgases wird nach der Verbrennung nicht in den Auspuff geschickt, sondern zurück in die Ansaugluft gemischt. Der Motor verbrennt dann kein reines Luft-Kraftstoff-Gemisch mehr, sondern eines, dem bereits verbranntes Gas beigemischt ist. Das senkt die Temperatur im Brennraum und mehr soll es im Endeffekt auch nicht.

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Wozu dient die Abgasrückführung?

Stickoxide sind der Grund. Sie entstehen, wenn der Stickstoff der Luft bei sehr hohen Temperaturen mit Sauerstoff reagiert, oberhalb von rund 1.300 Grad im Brennraum. Je heißer die Verbrennung, desto mehr davon. Ein Dieselmotor verbrennt mit Luftüberschuss, hat also immer mehr Sauerstoff im Zylinder, als der Kraftstoff braucht. Das macht ihn sparsam und zugleich zum Stickoxidproduzenten. Ein Katalysator, wie ihn der Benziner hat, kann diese Stickoxide beim Diesel nicht abbauen, weil dafür der Sauerstoffüberschuss im Weg ist.

Die Abgasrückführung setzt deshalb nicht hinter dem Motor an, sondern davor. Sie sorgt dafür, dass die Stickoxide erst gar nicht entstehen. Abgas enthält kaum Sauerstoff und besteht überwiegend aus Stickstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf. Wird es der Frischluft beigemischt, sinkt der Sauerstoffanteil im Zylinder, die Verbrennung läuft langsamer und kühler ab. Dazu nimmt das Abgas mehr Wärme auf als Luft, ohne selbst heißer zu werden. Beides zusammen drückt die Spitzentemperatur unter die Schwelle, ab der Stickoxide in Mengen entstehen. Der Preis dafür ist gering, solange die Dosierung stimmt: etwas weniger Leistung im Teillastbereich, die der Fahrer nicht bemerkt.

Wie funktioniert die Abgasrückführung?

Vom Prinzip her braucht es nur eine Verbindung zwischen Abgas- und Ansaugseite und ein Ventil, das diese Verbindung öffnet und schließt. In der Praxis sind daraus Systeme mit mehreren Bauteilen geworden. Am Abgaskrümmer wird ein Teil des Abgases entnommen, läuft durch eine Leitung, bei den meisten Dieseln durch einen Wärmetauscher, der es mit Kühlmittel abkühlt, und erreicht das Ventil. Das Ventil bestimmt, wie viel davon in die Ansaugbrücke gelangt, wo es sich mit der Frischluft mischt. Gesteuert wird das Ventil vom Motorsteuergerät, das für jeden Betriebspunkt eine Sollmenge kennt und über den Luftmassenmesser prüft, ob sie ankommt.

Die Rollen sind klar verteilt. Das AGR-Ventil dosiert, es ist das einzige bewegliche Teil im System und das, das im Alltag am häufigsten Ärger macht. Der AGR-Kühler kühlt das Abgas, bevor es zum Ventil kommt, weil kaltes Abgas die Verbrennung wirksamer kühlt als heißes. Leitungen, Dichtungen, der Druckwandler bei älteren Unterdrucksystemen und ein Geber für die Ventilstellung bilden den Rest. Fällt eines dieser Teile aus, meldet das Steuergerät nicht das Teil, sondern die Abgasrückführung als Ganzes. Deshalb steht im Fehlerspeicher „Abgasrückführung Durchsatz zu klein", auch wenn nur eine Unterdruckleitung porös ist.

Hochdruck, Niederdruck und innere Abgasrückführung

Wo das Abgas entnommen wird, unterscheidet die Systeme. Die klassische Hochdruck-AGR holt es direkt am Krümmer, vor dem Turbolader, wo der Druck hoch und das Abgas heiß und rußhaltig ist. Die Niederdruck-AGR neuerer Diesel entnimmt es hinter dem Partikelfilter, wo es sauber und kühler ist, und führt es vor dem Verdichter des Turboladers wieder zu. Viele aktuelle Motoren haben beides nebeneinander. Daneben gibt es die innere Abgasrückführung, die ganz ohne Leitung und Ventil auskommt: Bleiben Auslass- und Einlassventil kurz gleichzeitig offen, bleibt ein Teil des Abgases einfach im Zylinder. Benziner mit variabler Ventilsteuerung nutzen das, weil ihre Rückführmengen klein sind.

Wann ist die Abgasrückführung aktiv?

Nicht immer, was für das Verständnis vieler Symptome wichtig ist. Beim Kaltstart bleibt das Ventil geschlossen, weil kaltes Abgas in einem kalten Motor die Verbrennung unrund macht. Bei Volllast und beim Beschleunigen bleibt es geschlossen, weil der Motor dann jeden Kubikzentimeter Frischluft braucht. Im Schubbetrieb ebenso. Geöffnet ist die Abgasrückführung im warmen Teillastbereich, also bei gleichmäßiger Fahrt in der Stadt und über Land, und dort am weitesten, wo der Motor am wenigsten leistet. Der Diesel führt in diesem Bereich erhebliche Mengen zurück, bis in die Größenordnung der halben Ansaugluft, der Benziner deutlich weniger.

Daraus folgt, was Halter oft verwundert: Ein Motor mit AGR-Problem beschleunigt tadellos und ruckelt bei konstanter Fahrt. Oder er läuft kalt sauber und beginnt warm zu stottern. Das Ventil ist in diesen Momenten gerade gefordert. Erreicht es die Sollposition nicht, merkt man es genau dann.

Abgasrückführung beim Diesel und beim Benziner

Beim Diesel ist die Abgasrückführung ein Instrument der Abgasreinigung, ohne das die Stickoxidgrenzwerte seit Euro 3 nicht einzuhalten sind. Sie arbeitet mit großen Mengen, gekühltem Abgas und über den ganzen Teillastbereich. Das Abgas ist rußhaltig, die Kurbelgehäuseentlüftung liefert obendrein Ölnebel in dieselbe Ansaugbrücke. Beides setzt sich an Ventil, Kühler und Leitungen ab. Deshalb ist die AGR beim Diesel so häufig Thema in der Werkstatt.

Der Benziner braucht sie für die Stickoxide nicht, sein Dreiwegekatalysator erledigt das. Bei ihm dient die Abgasrückführung dem Verbrauch und dem Motorschutz. Im Teillastbereich ersetzt das rückgeführte Abgas einen Teil der Drosselung, der Motor muss weniger gegen die fast geschlossene Drosselklappe ansaugen und verbraucht weniger. Bei hoher Last kühlt sie die Verbrennung und senkt die Klopfneigung. Die Mengen sind klein, das Abgas ist sauber, das Ventil hält meist das Autoleben lang. Wer von AGR-Problemen hört, hört fast immer vom Diesel.

Was passiert ohne Abgasrückführung?

Technisch läuft der Motor weiter, in vielen Fällen sogar ruhiger, weil ihm das Abgas im Gemisch fehlt, das ihn bei nachlassender Dosierung zum Ruckeln brachte. Genau deshalb kommt die Idee auf, die Abgasrückführung stillzulegen, statt sie zu reparieren. Was fehlt, sieht man nicht, man misst es: Die Stickoxide steigen um ein Vielfaches, das Steuergerät erkennt den fehlenden Durchsatz und legt einen Fehler ab, der Wagen fällt bei der Abgasuntersuchung durch. Die Betriebserlaubnis erlischt, weil ein abgasrelevantes Bauteil außer Funktion gesetzt wurde. Eine Abgasrückführung, die nicht mehr arbeitet, ist deshalb kein Zustand, in dem ein Auto bleiben kann, sondern ein Defekt, der behoben wird.

Welches Bauteil dahintersteckt, ist dann die eigentliche Frage. Meist ist es das Ventil, das verrußt ist oder seine Position nicht mehr erreicht. Was ein defektes AGR-Ventil anrichtet, woran Sie es erkennen und was die Fehlercodes P0401 bis P0409 bedeuten, hängt am Bauteil, nicht am Verfahren. Oft reicht es, das AGR-Ventil reinigen zu lassen, statt es zu tauschen.

Bei einem älteren Diesel bleibt es allerdings selten beim Ventil. Wer die Abgasrückführung über Monate mit Fehler gefahren hat, findet in der Werkstatt häufig den Kühler zugesetzt, den Partikelfilter voll und die Kurbelgehäuseentlüftung als Ursache von allem. Dann summieren sich vier Reparaturen an einem Auto, das selbst nicht mehr viel wert ist. Wir kaufen solche Fahrzeuge an, mit Fehlerspeicher, mit Notlauf, ohne dass vorher etwas repariert sein muss. Wer sein Auto mit Defekt verkaufen will, braucht dafür nur die Fahrzeugdaten und die Beschreibung des Zustands, das Angebot kommt von uns.

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Weitere Fragen und Antworten zur Abgasrückführung

Was bedeutet AGR?

AGR ist die Abkürzung für Abgasrückführung. Im Englischen heißt das Verfahren Exhaust Gas Recirculation, kurz EGR, so steht es in vielen Diagnosegeräten und Teilelisten.

Welche Schadstoffe vermindert die Abgasrückführung?

Stickoxide, abgekürzt NOx. Sie entstehen bei hohen Verbrennungstemperaturen, genau die senkt die Abgasrückführung. Auf Ruß, Kohlenmonoxid oder Kohlenwasserstoffe wirkt sie nicht, dafür sind Partikelfilter und Katalysator zuständig.

Haben alle Dieselmotoren eine Abgasrückführung?

Praktisch alle Pkw-Diesel seit Euro 3. Ältere Diesel ohne Abgasnorm oder mit Euro 1 und 2 kommen teilweise ohne aus. Nutzfahrzeuge und Motorräder haben sie je nach Baujahr und Norm.

Wie viel Abgas wird zurückgeführt?

Je nach Betriebspunkt zwischen null und beim Diesel einem erheblichen Anteil der Ansaugmenge im Teillastbereich. Die genaue Rate berechnet das Steuergerät für jeden Lastzustand aus einem Kennfeld des Herstellers.

Kann man die Abgasrückführung reinigen?

Das Verfahren nicht, aber seine Bauteile. Verrußt sind meist das Ventil und bei gekühlten Systemen der Kühler. Ob eine Reinigung reicht oder das Teil getauscht werden muss, zeigt sich am ausgebauten Bauteil.